Als die Sirenen heulten
Chronologie der Luftangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945
von Wolfgang Schaarschmidt

Der Verlauf der drei Angriffe, die innerhalb von 14 Stunden auf Dresden erfolgten und denen am 15. Februar mittags ein weiterer folgte, ist bei Irving und Bergander ausführlich dargestellt worden. Es war eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Angriffe, daß das Ziel nicht von Wolken bedeckt sein würde. Die englische Wettervorhersage hatte eine Wolkenlücke für die Zeit von 22 Uhr bis 3 Uhr über Dresden vorhergesagt. Diese Voraussage trat um 22 Uhr für kurze Zeit ein. Es gelang, bei freier Sicht das Ziel zu markieren, in Brand zu setzen und für die nachfolgenden Verbände des zweiten Angriffs weithin sichtbar zu machen.

1. Angriff 13.2.1945: ÖLW (Voralarm); Fliegeralarm 21.40 Uhr: Entwarnung 23.30 Uhr; Bombenabwurf von 22.09 bis 22.28. 244 Lancaster-Bomber werfen 270 Luftminen, 1.049 Spreng- und 14.098 Brandbomben ab. Das entsprach 507,1 t Spreng- und 370 t Brandbomben. Nach diesem Angriff fielen alle Telefonverbindungen zum Einsatzzentrum im Albertinum aus, da auch das Notstromaggregat beschädigt worden war. Lediglich der Luftwarnzentrale im Keller des Telegrafenamtes gelang es, über das Luftgaukommando eine Verbindung nach Berlin herzustellen.

2. Angriff 14.2.1945: ÖLW; Fliegeralarm 1.05 Uhr; Entwarnung 2.15 in den Vororten, Ausfall des Großalarmanlage in der Innenstadt Bombenabwurf von 1.30 bis 1.55 Uhr – Vorentwarnung und Entwarnung wegen Ausfalls der Alarmanlagen und sämtlicher nachrichtentechnischer Mittel nicht möglich. 551 Lancaster-Bomber, Abwurf von 480 Minen-, 1.005 Spreng- und 495.250 Brandbomben, das entsprach 964,6 t Spreng- und 891,3 t Brandbomben.

3. Angriff 14.2.1945: Fliegeralarm 12.00; Entwarnung 12.45 in den Vororten. Durch Ausfall der Großalarmanlage, der Kraftfahrsirenen und sämtlicher Nachrichtenmittel Warnung der Bevölkerung unmöglich. Bombenabwurf von 12.17 bis 12.30 Uhr; USAF, 8. Luftflotte: 311 Flying Fortress (B17) und drei Fighter Groups ca. 200 Mustang P 51; je Bomber sechs 500-lb-RDX-Sprengbomben und vier 500-lb-M-17-Container mit je 110 Stabbrandbomben, das entsprach 1.866.500-lb-RDX-Sprengbomben und 130.640 Stabbrandbomben oder 475 t Minen- und Sprengbomben, 296,5 t Brandbomben.

Bei den Brandbomben handelte es sich um die 4-lb-Stabbrandbombe, die zum Teil mit einem Explosivelement versehen war, das drei Minuten nach Aufschlag detonierte. Damit sollte der Selbstschutz abgeschreckt werden (4 lb X). 4 lb entsprechen 1,8 kg; die Zahlen der Abwurftonnage stimmen mit der Zahl der Bomben nicht genau überein.

4. Angriff 15.2.1945: 11.51 bis 12.01 Uhr; 210 B 17 mit Begleitjägern, ca. 3.700 Sprengbomben. Treffer weiträumig verstreut, Schwerpunkte Münchner Platz, Loschwitz, Plauen, Waldschlößchenviertel.

Die Luftschutzeinrichtungen in Dresden waren mangelhaft im Vergleich zu den westdeutschen Städten. Als Anfang des Krieges die Bunkerbauprogramme durchgeführt wurden, waren Angriffe auf Dresden wegen der Entfernung von den Bomberbasen in Südengland nicht zu befürchten. Im Sommer 1944 war die Gefahr von Großangriffen erkannt, jetzt mangelte es an Zeit und Material für die notwendigen Bunkerbauten. Es wurden Splitterschutzgräben und Löschteiche angelegt, die Keller der Innenstadt durch Fluchtkanäle verbunden. Diese Maßnahmen waren in jedem Falle unzureichend.

Bevölkerungsverdichtung vor den Angriffen

Dresden hatte 1939 631.000 Einwohner. Obwohl ein großer Teil davon beim Militär, Roten Kreuz oder als Fernsprechhelferinnen außerhalb Dresdens eingesetzt war, ist die Einwohnerzahl 1944/45 etwa gleich geblieben. Im Laufe des Krieges richtete die Wehrmacht Hilfs- und Reservelazarette ein. Das Personalamt des stellvertretenden Generalkommandos hatte Offiziere und Mannschaften in Schulen, Turnhallen oder Privatquartiere eingewiesen. Seydewitz nennt das Wettin- und Vizthumgymnasium und andere Schulen, das Lehrerseminar in der Jägerstraße, die Hotels Excelsior und Demnitz, das Dampfschiff- und Burghotel, alle Restaurants im Großen Garten sowie Gasthöfe und Restaurants. Das öffentliche Leben war im Vergleich zu westdeutschen Städten weniger beeinträchtigt. 19 Kinos spielten im Innenstadtbereich, ihr Abendprogramm endete gegen 22 Uhr; einige weitbekannte Cafés und Restaurants: Hülfert, Gaßmeyer, Stadtwaldschlößchen, Bärenschänke und andere, standen Gästen offen. Die Straßenbahnen fuhren regelmäßig bis 24 Uhr.

Rekonvaleszente Soldaten wurden auch privat untergebracht, dazu kamen durchreisende Zivil- und Militärpersonen, die für jeweils eine oder mehrere Nächte in Dresden Unterkunft fanden. Kriegsgefangene und ausländische Arbeitskräfte hielten sich Tag oder Nacht an ihren Arbeitsstellen auf. An der Scharfenberger Straße befand sich ein Lager für kriegsgefangene Briten, welches ebenfalls getroffen wurde. Die Altstadt war ein Verdichtungsschwerpunkt.

Um 21.40 Uhr heulten die Sirenen. Der Zirkus Sarrasani brach seine Vorstellung ab. Soweit das Publikum die Luftschutzräume aufsuchte, ist es unversehrt geblieben. Die meisten Bürger erwarteten keinen Angriff. Einigen gelang es, in den 15 Minuten zwischen Alarm und Bombardement aus der Innenstadt zu fliehen. Die übrigen traf das Verhängnis.

Anfang des Jahres 1945 erfolgte eine weitere und erhebliche Verdichtung der Bevölkerung in Dresden. Die russische Offensive hatte am 16. Januar Ostpreußen, am 1. Februar die Oder erreicht. 1,5 Millionen Menschen waren auf der Flucht nach Westen. Ihre Unterbringung und Versorgung stellte eine fast unlösbare Aufgabe dar. Die Festungskommandanten, in Dresden Generalleutnant Mehnert, hatten den planmäßigen Ablauf der Bewegung zu unterstützen. Verweigerung der Aufnahme war nur dann erlaubt, wenn die Festung in unmittelbarer Feindberührung stand. Die Rückführung des weiblichen Reichsarbeitsdienstes, der Landjugend und der Kinderlandverschickung sollte von den Heeresgruppen unterstützt werden. Das OKH befahl in den ersten Februartagen, sämtliche russischen Kriegsgefangenen ostwärts der Elbe unter Mitwirkung des IRK nach Westen abzutransportieren. Das brachte für die Reichsbahn weitere Probleme, da sie schon mit dem Flüchtlingstransport überlastet war und viele Bahnstrecken durch Luftkriegseinwirkung gestört waren. In Dresden blieben Züge mit Flüchtlingen stehen, da es an Lokomotiven fehlte. Schließlich mußte die Führung auf Räumungsbefehle verzichten. Die freiwillige Flucht sollte nicht behindert werden. Nur personelle Auflockerung wurde befohlen und für Frauen und Kinder soweit als möglich Transportraum bereitgestellt – was in Breslau nicht möglich war. Flüchtlinge aus Nieder- und Oberschlesien zogen seit dem Beginn der Offensive bei strenger Kälte im Schnee nach Westen – nach Dresden. Klemperer schrieb schon am 21. Januar in sein Tagebuch: „Es soll schon ein Gewimmel von Schlesienflüchtlingen hier sein.“ (…)

Auf dem Dresdner Hauptbahnhof trafen Flüchtlingszüge aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien ein. In Lazarettzügen lagen Verwundete, die auf Weiterfahrt warteten. Güter- und Personenwagen mit Flüchtlingen stauten sich im Hauptbahnhof und auf den Gleisen des Güterbahnhofes. Auch auf dem Neustädter Bahnhof hielten sich Flüchtlinge auf. In vielen Haushalten waren Durchreisende oder rekonvaleszente Soldaten, Verwandte aus den bombenbedrohten Westgebieten, Ausgebombte durch die Angriffe am 9. Oktober 1944 oder 16. Januar 1945 untergebracht, und vor allem Flüchtlinge aus den von der Roten Armee bedrohten und inzwischen besetzten östlichen Gebieten. (…)

Eine Helferin berichtet: „Man meldete uns, aus einem Waggon draußen auf dem Gleis höre man menschliche Laute. Wir also hin. Im Waggon waren schlesische Flüchtlinge, mehr tot als lebendig. Wir haben die Krankenhäuser angerufen und gewartet, bis alle abgeholt waren. (...) Viele Flüchtlinge wurden in Dresden verteilt. Der Hauptbahnhof war immer nur Station für wenige Stunden. Ein Großteil der Transporte waren Soldaten, die hier Marschverpflegung bekamen. (...) Alles war gut organisiert, einwandfrei. Ich hatte die Dienstausgaben. (...) 14 Tage vorher wurde festgelegt, wer Dienst macht, ob im Kino oder auf dem Bahnhof. (...) Immer waren ein Wachhabender und sechs Helferinnen da, die nach sechs Stunden abgelöst wurden.“ Die Versorgung erfolgte durch Militärangehörige, Rotes Kreuz, BDM und HJ. Droll nennt den Ballsaal des Gasthofes Pieschen, das Flüchtlingslager Tieckstraße und das große Lokal „Donaths Neue Welt“ in Laubegast. Die Flüchtlinge versorgten sich auf Lebensmittelkarten (Reisemarken) selbst und erhielten warme Mahlzeiten von Großküchen oder Gulaschkanonen. Flüchtlinge mit bäuerlichen Fuhrwerken kampierten am Rand des Großen Gartens und im Bereich des Ausstellungsgeländes.

Heißluft und Rauch töteten die Schutzsuchenden

Bergander schätzt, daß sich am 13. Februar 200.000 Flüchtlinge oder andere ortsfremde Personen in Dresden aufgehalten haben. Dazu kamen 50.000 Flüchtlinge, die schon länger in Dresden untergebracht waren. Die Situation ließ keinen genauen Überblick zu. Die Gesamtbevölkerung Dresdens zur Zeit des Angriffes schätzt er auf 950.000. Seydewitz, der vor 1955, als er sein Buch schrieb, den Vorgängen noch nahestand, auch mehr Zeitzeugen als heute vorfand, nahm „1,2 Millionen Einwohner zur Zeit der Angriffe in Dresden“ an. Der Chef des Verteidigungsbereiches, General Mehnert, spricht von 1,3 Millionen. Der Bürgermeister i. R. Dr. Petermann schrieb an Irving, ihm sei eine Mitteilung des sächsischen Innenministeriums bekannt, nach der Anfang 1945 rund eine Million Lebensmittelkarten an Bewohner Dresdens ausgegeben worden seien. Durchreisende und Flüchtlinge sind in dieser Zahl nicht enthalten.

Der erste Angriff am Abend des 13.2. traf vorwiegend die Innenstadt (Altstadt). Die Neustadt wurde am Elbrand von der Marienbrücke bis zur Carolabrücke getroffen. Nach Norden begrenzte die Heinrichstraße das Schadensgebiet.

Eine halbe Stunde nach dem Angriff hatten sich die Einzelbrände vereinigt. Ein Feuersturm entwickelte sich, der sich im Verlauf des nächsten Angriffs – am 14.2., 1.07 Uhr – zu voller Wucht entfaltete. Die Situation Rathaus/Georgplatz gibt ein Einsatzbericht der Feuerschutzpolizei wieder.

Nach dem ersten Angriff setzte die erste Welle der sekundären Verdichtung ein: Ausgebombte suchten Unterkunft in den Randzonen der Zerstörung bei Freunden oder Verwandten. Hinzu kam ein Zustrom von Neugierigen, besorgten Angehörigen und Leuten, die zu ihren Arbeitsstellen in Richtung Stadtzentrum eilten. Soldaten, die auf dem Hauptbahnhof auf die Weiterreise warteten, und Abteilungen der Dresdner Garnison rückten zur Hilfeleistung in das Schadensgebiet ein, um Verschüttete zu bergen. Nur mit Händen und Schaufeln arbeiteten sie sich durch den Schutt, um Eingeschlossene zu befreien. Zehn bis zwanzig Mann drückten schwere Bauteile oder Träger beiseite. Einheiten der Dresdner Feuerschutzpolizei und der Luftwaffe versuchten die Brände zu bekämpfen (ca. 3.000 Mann nach Elgering). Wehren aus der näheren Umgebung und die Löschzüge aus Leipzig und Chemnitz sowie den sächsischen Kleinstädten eilten nach Dresden oder waren schon im Einsatz.

Die im Hauptbahnhof stehenden Züge hatte man zu Beginn des ersten Angriffs herausgezogen. Der Bahnhof war kaum getroffen worden, und nach dem Angriff fuhren die Züge wieder ein. Der Ansturm, das Gedränge, das Hin und Her der Helfer, der Ein- und Aussteigenden, die Suche nach Platz und Angehörigen begann von neuem.

In den Randgebieten oder in weniger beschädigten Straßenzügen begannen die Bewohner ihre Habe zu bergen. Sie stellten Gegenstände auf die Straße oder schafften sie in den Keller, andere bepackten Handwagen und versuchten, durch die mit Trümmern verlegten Straßen zu entkommen, dem einsetzenden Feuersturm entgegen. Überlebende schlugen sich aus dem Schadensgebiet in den Großen Garten, an die Elbwiesen oder nach den Südhöhen durch. Die ersten Auffangstationen, von Sanitätspersonal und NSV umgehend eingerichtet, versorgten kleine Verletzungen und die häufig auftretenden Augenbeschwerden, reichten Tee und wiesen den Weg zur nächsten Sammelstelle. Mitten in die ersten Aufräumungsarbeiten krachten um 1.07 Uhr die Einschläge der zweiten Angriffswelle. Der Alarm war in den Schadensgebieten wegen des Feuersturmes und der zerstörten Alarmanlagen nicht wahrgenommen worden.

Masterbomber Wesslow entschied, die Abwurfzonen über das brennende Stadtzentrum hinaus zu erweitern. Der Schlag traf das Zielgebiet des ersten Angriffs und dazu die westliche Johannstadt mit geschlossener Bebauung, die Südvorstadt und den Hauptbahnhof, die Stadtteile Johannstadt, Friedrichstadt, Löbtau, Blasewitz, Striesen, Strehlen, Gruna, Planen, Räcknitz, Zschertnitz, Reick, Loschwitz und die Antonstadt.

In Dresden hatte die Feuerschutzpolizei seit Beginn des Krieges einen großen Teil der Wohnblocks untereinander und unter den Straßendecken mit ausbetonierten Gängen verbunden. Die Aufstiegsschächte zur Elbe hin traten auf dem Postplatz, am Schloßplatz und am Neumarkt außerhalb der Trümmerbereiche zutage. In Richtung Hauptbahnhof und Äußerer Ring waren keine Rettungswege aus der Bebauungszone heraus angelegt worden. Man nahm an, daß durch die Verbindung fast sämtlicher Keller diese in Richtung Äußerer Ring als Fluchtweg dienen konnten. Doch vielfach kam es zu Schwelbränden in den Kohlenvorräten. Durch leichte Niveauunterschiede wirkten geöffnete Durchgänge in die benachbarten Keller wie Schornsteine. Heißluft, Rauch und Kohlenmonoxid strömten in die derart verbundenen Keller und töteten die Schutzsuchenden. Kellerdurchbrüche waren Todesfallen. Brände und detonierende Zeitzünder hielten Menschen in den Schutzräumen zurück. Die in Kellern des Feuersturmgebietes ausgeharrt hatten, Alte, Kranke, Frauen mit Kindern oder auf der Straße von Rauch und Funkensturm Erblindete, hatten keine Möglichkeit, die Feuer-, Hitze- und Rauchbarrieren zu überwinden. Wer stürzte, wen ein Gegenstand traf, der im Sturm daherwirbelte, war verloren. Aus den Schilderungen der wenigen Entkommenen geht hervor, daß sie ihr Überleben nur ihrer Entschlossenheit, den Keller rechtzeitig zu verlassen, ihrem Mut und ihrer physischen Kraft verdankten.

Nach dem Angriff, gegen 2 Uhr nachts, setzte der Zustrom von Helfern in das Schadensgebiet wieder ein. Auch weitere Personen, die außerhalb der getroffenen Gebiete wohnten, versuchten in die Stadt vorzudringen, um Angehörige zu finden. An der Marienbrücke, auf der Neustädter Seite, versuchten Polizei und Militär eine Menschenmenge davon abzuhalten, in die brennende Stadt zu gelangen. Vor dem alten Rathaus auf dem Altmarkt standen nach dem ersten Angriff die freiwilligen Feuerwehren aus Lockwitz und Umgegend und löschten aus dem Wasserbecken. Die Rettungskräfte erlitten hohe Verluste an Personal und Ausrüstung.

Der Große Garten war schon vor dem ersten Angriff mit Flüchtlingen belegt gewesen. Die Gespanne der Flüchtlingstrecks rasteten auf den angrenzenden Straßen des Großen Gartens. Nach dem ersten Angriff flüchteten viele dorthin und in die noch unzerstörten Häuser oder Stadtteile. Diese Gebiete wurden Zonen sekundärer Verdichtung. Die Geflüchteten des ersten Angriffes wurden Opfer des zweiten. Spreng- und Massen an Brandbomben trafen die Schutzsuchenden.

„Überall brannte es, lagen Tote, schreiende Menschen“

Wie nach dem ersten Angriff versuchten nach dem zweiten die Überlebenden die Stadt zu verlassen oder in den noch nicht zerstörten Randgebieten unterzukommen. Viele waren verletzt oder erschöpft. Die NSV übernahm die erste Versorgung, unterstützt von Teilen der anwohnenden Bevölkerung. Im Laufe des Vormittags ließ der Sturm nach. Über der Stadt und östlich davon trieb dichter Rauch. Verletzte wurden mit Fahrzeugen aus den Randgebieten abtransportiert.

Die Frauenklinik des Horst-Wessel-Krankenhauses, von Brand- und Sprengbomben getroffen, begrub 127 Personen unter ihren Trümmern: 45 Wöchnerinnen, 11 Schwestern, 21 Hebammen und Schülerinnen, dazu 50 Patientinnen. 45 Wöchnerinnen und 74 Säuglinge wurden gerettet. Eine Hebamme erinnert sich: „Überall brannte es, lagen Tote, schreiende Menschen. Ärzte hatten schon einen Lastwagen angehalten, legten die Säuglinge auf den Hänger. Dann folgte der zweite Alarm. ( ... ) Bomben schlugen ein. (...) Da war der Wagen mit den Säuglingen schon fortgefahren.“ In der Klinikruine fand sie in einem heil gebliebenen Kühlschrank einen Rest Milch. „Damit benetzten wir den Babies die Lippen. Mit einem verdreckten Kohlenauto kamen die Kinder nach Kreischa“ (20 km östlich von Dresden). Mütter hatten keine Kinder mehr, Säuglinge keine Mütter. (…)

Der dritte Angriff fand am 14. Februar, mittags um 12.17 Uhr statt: Die Bomben fielen verstreut auf das Stadtgebiet mit Konzentrationen auf Friedrichstadt und den Güterbahnhof Cotta, Löbtau und die Leipziger Vorstadt wurden getroffen. Ebenso schlugen erneut Bomben in die noch brennenden Stadtgebiete ein. Nach den Angaben vieler Zeugen flogen amerikanische Jäger Bordwaffenangriffe auf die Ausfallstraßen, die Elbwiesen und den Großen Garten.

Dieser Angriff traf wiederum die Zonen sekundärer Verdichtung und forderte entsprechend zahlreiche Opfer. Die inzwischen aus der weiteren Umgebung eingetroffenen Feuerwehrverbände, die Angehörigen der Dresdner Garnison und weitere Rettungskräfte erlitten Verluste. Opfer gab es im Ausländerlager Bremer Straße.

Beim vierten Angriff am 15. Februar, um 11.51 Uhr wurde Dresden als Ausweichziel gewählt. Opfer und Schäden waren in der zerstörten Stadt geringer als an den Vortagen. Die sekundäre Verdichtung bestand wie bei den vorangegangenen Angriffen. Die Rettungsarbeiten störte der Angriff erheblich.



Wolfgang Schaarschmidt ist Autor des soeben im Herbig Verlag, München, erschienenen Buches „Dresden 1945 – Daten, Fakten, Opfer“, aus dem wir hier mit freundlicher Genehmigung einen Auszug veröffentlichen..

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