Düsseldorf

Der Großangriff auf Barmen erfolgte am 30. Mai 1943. Ich war auf Urlaub und konnte von meinem Wohnort eine riesige Lohe beobachten. Drei Tage später bin ich nach Barmen gefahren, um nach Verwandten zu forschen, die im Stadtzentrum wohnten. Die Eisenbahn fuhr bis Unterbarmen, von dort bin ich gelaufen. Zunächst waren keinerei Schäden zu sehen, dann von einer Straßenseite zur anderen waren sämtliche Häuser ausgebrannt, wobei Außenmauern und Geschoßdecken oft noch standen. In der Nähe des zerstörten Opernhauses war an einem ausgebrannten Ladenlokal eine Sichtblende aus Wellblech angebracht. Ich konnte darüber weg schauen und sah zu meinem Entsetzen etwa zwölf verkohlte Leichenreste ohne Gliedmaßen dort liegen. Dazwischen lag der Körper einer jungen Frau. Sie war gut gekleidet trug Strümpfe, nur der Kopf fehlte. Der Anblick weiterer Leichen ist mir erspart geblieben. Das Haus meiner Verwandten war ausgebrannt, ein Lebenszeichen nirgends zu entdecken. Später erfuhr ich, daß sie in nasse Decken gehüllt nur das nackte Leben gerettet hatten.

Am 11./12. Juni erfolgte der Großangriff auf Düsseldorf. Er kam so plötzlich, daß ich, durch Kopfhörer und Leitung ans Malsigerät gebunden, nicht einmal den nur einen Meter entfernt an der Wand hängenden Stahlhelm aufsetzen konnte. Jedes Mal, wenn ich dies versuchen und den Kopfhörer kurz ablegen wollte, war ein neues Ziel aufgefaßt und der Zielflug mußte aufgezeichnet werden. Wir hörten natürlich das Feuer unserer Batterie und das Fallen der Bomben, konnten aber von unserem Einsatzort, etwa drei Meter unter der Erdoberfläche, nichts von dem sehen, was sich über uns abspielte.

Als wir nach Ende des Angriffs nach oben kamen, lag vor uns das brennende Düsseldorf, wir hatten nichts abbekommen.                         

Wilhelm Forsthoff